Hinweise auf Veranstaltungen
rund um den 8. Mai 2025 finden Sie auf www.ekbo.de .
Liturgische Vorschläge für Friedensgebete
Eingangsgebet
Gott,
wir verbinden uns heute mit allen,
die um den Frieden in der Welt beten.
Wir halten inne, gedenken und erinnern
und richten unsere Blicke aus zu dir.
Himmelwärts.
Weil du, Gott, Friede bist
und wir deshalb die Hoffnung auf Frieden
für unsere Welt nicht aufgeben wollen.
Kyriegebet
Gott,
wir klagen dir das Unrecht dieser Welt.
Wir klagen dir die Gier der Machthaber, die Leben zerstört.
Wir klagen dir die Wunden und Verletzungen, die bisher unverheilt sind.
Wir klagen dir unsere Hilflosigkeit und unsere Sorge:
über den Krieg in der Ukraine, einem Land bei uns in Europa;
über den Krieg im Nahen Osten;
über die Kriege an so vielen Orten dieser Welt.
Wo soll das hinführen?
Wir sehen Menschen, die es nicht mehr aushalten, im Krieg zu leben.
Wir hören die Hilferufe von Geflüchteten, die durch die Welt hallen.
Wir wissen um die Unsicherheit, mit der junge Menschen in die Zukunft blicken.
Gott, wir sehnen uns nach Hoffnungszeichen.
Wir sehnen uns nach Aussöhnung. Und nach Frieden.
Erbarme dich, Gott, über unsere friedlose Welt.
Fürbittgebet
Wir beten zu Gott für die Menschen,
für die der Krieg eben noch nicht geendet hat,
die noch immer mit Alpträumen leben, von Erinnerungen geplagt sind oder mit dem
Schweigen der Nachkriegszeit allein gelassen wurden.
Zu dir rufen wir: […]
Wir beten zu Gott für Menschen,
die die Erinnerung an die schrecklichen Gräueltaten der nationalsozialistischen
Terrorherrschaft wachhalten, Verbrechen benennen und die Geschichte der Opfer erzählen –
wieder und wieder.
Wir brauchen sie. Wir brauchen das Gedenken, die Erinnerung und das Erzählen darüber.
Zu dir rufen wir: […]
Wir beten zu Gott für Menschen,
die nicht weghören, wenn Menschen über ihre Erfahrungen mit Krieg, Verfolgung und
Gewalt berichten, sondern ihnen zuhören und Möglichkeiten geben, sich zu öffnen und das
unsagbar Schreckliche in Worte zu fassen. Wir brauchen diese Menschen, Gott. Wir brauchen
ihren Scharfsinn und ihr menschliches Gewissen.
Zu dir rufen wir: […]
Wir beten zu Gott für Menschen,
die den Glauben nicht verloren haben, dass unsere Welt veränderbar ist und die sich nicht
abbringen lassen, für Gerechtigkeit und Verständigung zu kämpfen.
Wir brauchen diese Menschen, Gott. Wir brauchen ihre Kraft und ihren Widerstandsgeist.
Zu dir rufen wir: […]
Wir beten zu Gott für Menschen,
die sich für Versöhnung einsetzen und sich nicht einreden lassen, dass verfeindete Völker
immer Feinde bleiben müssen.
Wir brauchen diese Menschen, Gott. Wir brauchen ihre Kreativität und ihre Beharrlichkeit.
Zu dir rufen wir: […]
Wir beten zu Gott für Menschen,
die unsere Demokratie verteidigen und
ihre Stimme erheben, wenn Menschen ausgegrenzt, benachteiligt und an der Freiheit
gehindert werden. Wir brauchen diese Menschen, Gott. Wir brauchen ihren wachen Blick
und ihre laute Stimme.
Zu dir rufen wir: […]
Amen.
Download: 8. Mai 2025_80 Jahre Ende des 2. Weltkrieges_Anschreiben und Material TD
Hintergrund
An etlichen Orten unserer Landeskirche ist das Datum der Erinnerung schon lange vorbereitet worden: Am 8. Mai 2025 jährt sich mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 80. Mal. Deutschland, das den Krieg begonnen hatte, war besiegt. Unser Land, das die Schuld für Millionen Tote zu verantworten hatte, war befreit. Die Herrschaft des Nationalsozialismus war zu Ende. Die Waffen schwiegen. Die „Nachkriegszeit“ begann auf den Trümmern der Städte und der verlorenen Heimat, es blieben Trauer und Erschöpfung, Kälte, Hunger und Not – aber auch die Hoffnung auf etwas Neues.
Der 8. Mai – ein Datum, das für das befreiende Ende eines rassistischen Wahns unserer Vorfahren steht, der Millionen Menschen das Leben kostete. Als ein „Tag der Befreiung“ konnte er daher Jahre später erkannt werden. Für 60 Millionen Menschen aber kam diese Befreiung zu spät: Über 6 Millionen Juden und Jüdinnen, die in Ghettos und Konzentrationslagern ermordet wurden. Hunderttausende Homosexuelle, Sinti und Roma und Menschen mit Behinderung, die verfolgt und umgebracht wurden. Im Gedenken halten wir die Erinnerung an die damaligen Ereignisse und das unermessliche Leid wach. Wir denken an das furchtbare Grauen des Krieges, die Abermillionen Toten, die Verschleppten, nie Gefundenen und lebenslang Traumatisierten.
Mit dem 8. Mai 1945 begann auch die langsame und bis heute währende Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer Verantwortung für die Zeit des Nationalsozialismus. Wir denken an diesem Tag auch an das Versagen der Kirche zwischen 1933 und 1945 und ihre zögerlichen Versuche nach 1945, Schuld einzugestehen.
Die Jahre, die auf den 8. Mai 1945 folgten, wurden auch zu einer Zeit des Aussöhnens mit europäischen Nachbarländern, die zutiefst unter den Deutschen gelitten haben, darunter u.a. Frankreich, Polen, Tschechien und das Vereinigte Königreich. Freundschaftliche Beziehungen, transnationale Zusammenarbeit und Projekte zur Völkerverständigung wurden möglich. Für den inneren Zusammenhalt war der 8. Mai eine Zäsur: Aus ihm geht ein geteiltes Deutschland hervor, wiederum mit schmerzhaften Trennungen und einer weiteren Diktatur im Osten Deutschlands. In den Besatzungszonen von Franzosen, Briten und Amerikanern wurde der Weg für einen demokratisch geprägten Neubeginn eröffnet. In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) fand dagegen eine an stalinistischen Prinzipien orientierte Herrschaftssicherung statt, die in die Etablierung einer kommunistischen Diktatur führte.
„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“ – war das Wort des Ökumenischen Rates der Kirchen 1948 in Amsterdam. Was das bedeutet angesichts der zahlreichen Krisen diplomatisch-politischen Handelns derzeit? Was bedeutet das im Umgang mit Aggressoren, die das Völkerrecht brechen, Grenzen zu ihren Vorteilen zu verschieben suchen und ein Nachbarland überfallen? Das treibt uns seit mindestens drei Jahren um. In Klage, Mahnung und konkreter Hilfe für alle, die unter diesem furchtbaren Krieg leiden.
Friedensläuten am 9. Mai
Wir erinnern Sie gern an die Initiative Europe Rings For Peace: ein Friedensläuten am Europatag, dem 9. Mai 2025 von 18.00 bis 18.20 Uhr, sofern dieses europaweit gedachte Vorhaben bei Ihnen noch nicht bekannt ist: Schließen Sie sich der Initiative mit Ihrem Friedensgebet, Ihrer Andacht, an. Denn über Ländergrenzen hinweg soll das Läuten Zusammenhalt und gemeinsames Einstehen für eine friedvolle Zukunft hörbar machen. Hier sind alle relevanten Informationen, auch Impulse zu Andacht und Gebet, die sich mit dem europäischen Friedensläuten verbinden, übersichtlich zusammengefasst: https://kulturkirche2025.de/europe-rings-for-peace-europaeisches-friedenslaeuten.
Verbunden in der Bitte um Frieden und Versöhnung grüßen Sie
Dr. Christina-Maria Bammel, Pröpstin der EKBO, gemeinsam mit
Theresa Dittmann, Studienleiterin für Gottesdienst im AKD,
Dr. Jan Kingreen, Friedensbeauftragter der EKBO, Pfarrer und Programmvorstand Garnisonkirche Potsdam